Vor der Mühle Hunziken: Lunar-Strom speist Monsterkonzert

250 Alternaive tanzten sich frei und beglückten tausende Anwohner mit rhythmischen Geräuschemissionen bis in die frühen Morgenstunden. Endlich einmal eine Nacht ohne Tiefschlaf und somit die Möglichkeit über die Notwendigkeit grüner Politik(er) nachzudenken. Währenddessen wandelten die Sonnenkollektoren der Zeltstadt unablässig das Mondlicht in Elektropower um und verteilten die Bässe über das ganze Aaretal. Es ist schön, wenn sich eine Minderheit so fürsorglich und uneigennützig um eine Mehrheit kümmert. Das nenne ich Zivilcourage und beste Wahlpropaganda.

Am Nachmittag zuvor setzten die Camper einen, von der Steinerschule entworfenen Ausdruckstanz um. Die Choreografie zeigte verschiedene Figuren aus der Stromgeschichte und solle so „das Umdenken in der Energiepolitik einläuten“, wie der Mediensprecher der Zeltsiedlung gegenüber den Tages Nachrichten breeeit-willig erklärte.

Etwas störend wirkt am Tor der Zeltstadt das dicke Stromkabel, dessen Ende in einem angrenzenden Haus verschwindet. Der Gemeinderat der temporären Zaffaraia-Siedlung wäre gut beraten gewesen, diese Trosse – der Glaubwürdigkeit willen – etwas zu tarnen. Hübsch anzusehen wiederum, sind die gelben Atommüllfässer, die dekorativ überall das Gelände zieren. Vorbildlich sind auch die Komposttoiletten, deren Inhalte am Ende der Veranstaltung durch das Pychiatriezentrum Münsingen für die Gewinnung von Pilzen eingesetzt wird. Die medizinische Leitung des PZM verspricht sich – ganz im Sinne vom Einsatz wiederverwendbarer Rohstoffen – einen wirtschaftlichen Nutzen bei der Extrahierung gewisser Inhaltsstoffe für die Ruhigstellung von Patienten.

Die Jünger der Energiewende erinnern an die 68er, inhaltlich und optisch. Sie erfreuen Passanten mit ihrem Lebensstil und erwecken Neid bei vielen Zaungästen. Diese haben nicht den Mut, sich so zu outen oder haben sich für ein Spiesserleben mit Beruf entschieden. Dabei haben wir in der Schweiz genügend soziale Institutionen, die entschlossenen Pionieren gerne solche Projekte finanzieren und ihnen dabei noch genügend Freiraum für die Selbstfindung ermöglichen.

Fazit: Die Veranstaltung ist die beste Reklame für die Art und Weise wie heute grüne Politik ihre Wähler erreicht. Doch: Wer im Glashaus sitzt, sollte keinen Bong rauchen. All den intoleranten Nörglern, die in der Nacht auf Sonntag vor 04:00 Uhr ins Bett gehen sei gesagt: Die nächsten Wahlen kommen bestimmt!